Gesundheitswandern
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Welche Effekte hat Gesundheitswandern auf Gesundheit und Wohlbefinden?

Die SRH Hochschule für Gesundheit startet eine neue Studie zum Thema Gesundheitswandern. Kooperationspartner ist die BKK Pfalz, die sich seit August 2017 in Sachen Wandern engagiert.

Im Gespräch mit der Redaktion von wanderfit.de erklärt Studienleiter Professor Dr. Tobias Erhardt, um was es in dieser Studie genau geht.

Welche Vorteile hat Wandern im Vergleich zu einem Indoor-Sport im Fitness-Studio oder in der Halle?

Tobias Erhardt: Wer sich draußen bewegt oder Sport macht, ist an der frischen Luft und bekommt mehr Licht als in geschlossenen Räumen. Letzteres ist wichtig für die Vitamin D3-Produktion im Körper und die Dichte der Knochen. Das Naturerlebnis fördert außerdem die psychische Gesundheit.

Wandern verbindet ideal Bewegung, Natur und Ruhe. Außerdem können Wanderer durch die Wahl ihrer Touren ganz unterschiedliche Regionen und Landschaften erleben. Wer in einer Gruppe wandert, profitiert von sozialen Kontakten und Geselligkeit – inzwischen ohne das altmodische Kniebundhosen-Image, das Wandern früher hatte.

Gehören Sie zu den aktiven Wanderern? Wie sind Sie auf den Geschmack gekommen?

Tobias Erhardt: Ich bin in Hauenstein in der Südwestpfalz aufgewachsen und war schon als Kind viel im Pfälzerwald unterwegs. Bis heute wandere ich regelmäßig. Das intensivste Erlebnis in meiner Wander-Biografie ist ein vierwöchiges Himalaya-Trekking, das allerdings schon einige Jahre her ist. 

Wandern und Gesundheitswandern – worin liegen die Gemeinsamkeiten, worin die Unterschiede?

Tobias Erhardt: Beide Formen des Wanderns finden in der Natur statt. Klassische Wanderungen organisieren die Teilnehmer selbst und sie dauern meist länger – die durchschnittliche Länge einer Wanderung beträgt +/- 13 Kilometer.

Das Gesundheitswandern wurde vom Deutschen Wanderverband ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um geführte Touren, die meist nur drei bis vier Kilometer Länge haben und 90 Minuten dauern. Die Teilnehmer sind in normaler Funktionsbekleidung und passenden Schuhen unterwegs. Neben dem Gehen gibt es bei Gesundheitswanderungen zwischendurch Übungen, die die Koordination, die Beweglichkeit und die Balance verbessern. Und es gibt etwas Theorie, zum Beispiel über richtiges Gehen, rückengerechte Bewegungen, Atmung und Ernährung. Für viele Teilnehmer von Gesundheitswanderungen sind dies wichtige „Anstupser“, um perspektivisch mehr zu wandern.

Sie sind Studiengangleiter für Physiotherapie bei der SRH Hochschule für Gesundheit. Wie hängen Physiotherapie und Wandern zusammen?

Tobias Erhardt: Als Wissenschaftler haben wir an der SRH Hochschule für Gesundheit bereits Effekte verschiedener Therapien auf den Bewegungsapparat untersucht. Schwerpunkte waren zum Beispiel Rücken, Schultern und Knie.

Die Studie über das Gesundheitswandern knüpft daran an, ist allerdings ganzheitlicher: Es geht um grundsätzliche körperliche Voraussetzungen wie Kraft, Koordination und Beweglichkeit sowie um bio-psycho-soziale Effekte durch den Kontakt mit der Natur und mit anderen Menschen.

Die Teilnehmer der Studie machen im April zunächst einen Gesundheitscheck. Was beinhaltet dieser?

Tobias Erhardt: Die erste Befragung erfasst die körperliche und seelische Befindlichkeit der Teilnehmer. Wir messen Blutdruck, Herzfrequenz, den Muskel- und Fettanteil des Körpers und die Koordinationsfähigkeit. Darüber hinaus finden individuelle Gespräche statt, in denen wir das Bewegungsverhalten, Vorerkrankungen sowie Schmerzen, Entzündungen oder neurologische Probleme erfragen.

Gibt es eine Kontrollgruppe, die für den Zeitraum der Studie, also 10 Wochen, nicht an den Gesundheitswanderungen teilnehmen darf?

Tobias Erhardt: Für einen Vergleich und die Interpretation der Daten benötigen wir tatsächlich eine nach dem Zufallsprinzip zusammengestellte Kontrollgruppe, die wir Warte-Kontrollgruppe nennen. Die Teilnehmer dieser Gruppe sollen für den Zeitraum der Studie ihr übliches Verhalten beibehalten.

Welche Untersuchungen und Befragungen finden während der Studie sonst noch statt?

Tobias Erhardt: Nach der letzten Gesundheitswanderung findet eine zweite umfangreiche Untersuchung statt. Weiteres Datenmaterial für die Studie erhalten wir über eine Fitnessuhr, die die Teilnehmer während der Studie tragen. Sie misst Daten wie die Anzahl der Schritte, den Kalorienverbrauch und die Herzfrequenz. In einem zeitlichen Abstand von drei Monaten gibt es eine dritte Untersuchung, deren Ergebnisse in die Studie einfließen. Diese wird im Herbst 2019 abgeschlossen sein.

Im Nachgang planen wir eine telefonische Befragung, die ein Jahr später stattfinden soll. Hier möchten wir erfahren, ob und was sich langfristig im Bewegungsverhalten der Studienteilnehmer verändert hat.

Während der Gesundheitswanderungen finden Übungen zu Koordination, Kraft, Beweglichkeit und Entspannung statt. In welcher Form fließen die Beobachtungen, vielleicht sogar Messungen, in die Studie ein?

Tobias Erhardt: Wir analysieren die Intensität, Dichte und Dauer der Übungen. Bei Kraftübungen halten wir zum Beispiel fest, ob die Übungen ohne oder mit Gewichten durchgeführt werden, wie viele Wiederholungen es gibt und wie lange die Einheit insgesamt dauert. Außerdem interessiert uns, wie die Teilnehmer subjektiv diese Übungen wahrnehmen und einschätzen.

Gesundheitswanderungen beinhalten immer Erlebnisse in einer Gruppe. Welche Effekte kann dies auf die Teilnehmer haben?

Tobias Erhardt: Das soziale Erleben ist für die Gesundheit von Menschen sehr wichtig – laut Studien wohl ebenso wichtig wie Bewegung. Es ist belegt, dass Menschen, die gut in soziale Strukturen eingebettet sind, im Durchschnitt länger leben als Menschen mit wenigen oder ohne soziale Kontakte. Das macht Wandern so attraktiv – und erklärt vielleicht auch, warum diese Form der Bewegung gerade so im Trend liegt.

Welche Informationen erhalten die Teilnehmer nach Abschluss der Studie?

Tobias Erhardt: Alle Teilnehmer erhalten auf Nachfrage ihre persönlichen Ergebnisse und nach den Auswertungen der Daten die allgemeinen Ergebnisse der Studie, die Teil einer Bachelor-Arbeit ist.

Herzlichen Dank für das Interview!

Prof. Dr. Tobias Erhardt
Prof. Dr. Tobias Erhardt

... ist leidenschaftlicher Läufer und ein Freund der Bewegung. Beruflich arbeitet er als Studiengangsleiter „Therapiewissenschaften“ an der SRH Hochschule für Gesundheit in Karlsruhe, Stuttgart und Leverkusen.

 

Bewegung ist die beste Medizin! Wer sich regelmäßig bewegt ist nicht nur fitter, sondern kann auch vielen Krankheiten vorbeugen.

Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem Gesundheitswanderkurs im Rahmen einer AktivPLUS-Gesundheitsreise? Die BKK Pfalz bezuschusst die Präventionsreisen mit bis zu 150 Euro.

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