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Achtsamkeit in Grün

„Waldbaden” ist ein neuer alter Weg, Entspannung zu finden und das eigene Wohlbefinden zu steigern. Das BKK Kundenmagazin GESUNDHEIT hat eine Gruppe in den Berliner Grunewald begleitet.

Auch wenn Waldbaden selbstverständlich nichts mit Schwimmen zu tun hat, wird es heute nass. Feiner Nieselregen tröpfelt an diesem Junitag durch das Blätterdach. Die zehn Teilnehmer, vorwiegend Frauen mittleren Alters, sind mit Regencapes, Funktionsjacken und Trekkingschuhen für diese Wetterlage gerüstet. Sich warm anzuziehen ist der einzige Tipp, den die Leiterin Heike Böhm vor dem Waldbad gibt. Denn das Tempo des etwas anderen Waldspaziergangs ist sehr gemächlich.

Wurzeln schlagen

Wir starten mit einer einfachen Atemmeditation. „Verwurzelt eure Füße im Boden“, sagt Heike Böhm, bevor wir alle mit geschlossenen Augen tiefe Atemzüge nehmen. Den Klangteppich, für den sich viele sonst eine Meditations-CD mit Meeresrauschen oder Vogelgezwitscher einlegen, haben wir hier live: Der Wind weht sanft durch die Bäume, der Regen tropft, es knackt im Gehölz, und hin und wieder singt ein Vogel. „Der Wald wirkt beruhigend und setzt gleichzeitig Kreativität frei – es gibt buchstäblich keine Grenzen“, sagt Naturcoach Heike Böhm. Schon in ihrem „früheren“ Leben, als Abteilungsleiterin in einer Bank, hat sie Teammeetings und Seminare ins Grüne verlegt.

Gaaanz langsam

Wald tut gut: Was viele Menschen instinktiv spüren, beschäftigt seit einigen Jahren auch die Wissenschaft – vor allem im Ursprungsland des Waldbadens, Japan. Dort wird staatlich gefördert „Shinrin Yoku“ an Universitäten und Instituten erforscht. Wichtige Erkenntnis: Der Aufenthalt im Wald reduziert Stresshormone und vermehrt Killerzellen des Immunsystems – und dieser Effekt hält, wie man herausfand, noch Tage nach dem Waldbad an. Doch warum eigentlich das „Bad“, tut es nicht auch der gute alte Spaziergang? „Der Unterschied ist, dass wir beim Waldbaden die Natur mit allen Sinnen wahrnehmen wollen und uns dafür radikal entschleunigen“, erklärt Heike Böhm und ruft in unserer Gruppe gleich einen „Langsamkeits-Wettbewerb“ aus.

Mindestens fünf Minuten Zeit sollen wir uns für knapp hundert Meter zu einer Lichtung nehmen, dabei kreuz und quer gehen und alles, was uns irgendwie auffällt, ganz genau betrachten. Es werden zehn Minuten daraus und die meisten bringen etwas mit. Stefan hält ein paar helle Späne Totholz in der Hand – weich und bröselig fühlt es sich an und riecht würzig wie ein Steinpilz. Von welchem Baum die Teile stammen und welche Verwesungsprozesse darin ablaufen, interessiert in diesem Moment nicht. Der Kopf soll abschalten, die Sinne Regie führen.

Bäume mit Charakter

Und dafür wird ein dominanter Sinn auch mal ausgeschaltet – die Augen. Die kleine Gruppe bildet fünf Paare. Jeweils einer bindet sich ein Tuch um die Augen, ein anderer führt den „Blinden“ ein Stück querfeldein und hält an irgendeinem der vielen Bäume. Der „Blinde“ betastet den Baum ausgiebig. Ein Stückchen weiter und ein paar Minuten später wird das Tuch gelöst – und alle finden den Baum wieder, mit dem sie zuvor auf Tuchfühlung gegangen sind. Darauf dürfen wir anstoßen – nur mit was? Heike Böhm zieht Thermoskanne und Teetassen aus ihrem Rucksack. Das warme, herb schmeckende Getränk ist natürlich auch ein Geschenk des Waldes: junge Birkenblätter, die Heike Böhm im Frühjahr gepflückt hat. Der Wald - eine rundum köstliche Erfahrung.

Wo ist das nächste Waldbad?

„Waldbaden“ ist kein geschützter Begriff, und im Prinzip kann jeder diese Aktivität anbieten. Solange das Waldbad nur wenige Stunden dauert und der Betrag überschaubar ist, sollte man ruhig ausprobieren, was einem zusagt. Annette Bernjus, die auch das Buch „Waldbaden“ (ISBN-13: 978-3868829181) geschrieben hat, bildet Kursleiter für Waldbaden an der von ihr mitbegründeten Deutschen Akademie für Waldbaden aus. Auch Heike Böhm hat den 80-stündigen Kurs erfolgreich abgeschlossen. Hier finden Sie die Kursleiter nach Postleitzahlen geordnet.

Neben dem Wandern gibt es noch viel mehr Entspannungsmöglichkeiten. Und das Beste: Diese Präventionskurse werden bezuschusst von der BKK Pfalz

Nutzen Sie das Fitness-Training für die Seele.

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