Frau steht im Wald, sie berührt mit den Händen und ihrem Gesicht einen Baumstamm
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Atemwanderungen: Das Rendezvous von Waldbaden und Atmen

Bäume produzieren lebenswichtigen Sauerstoff und eine Vielzahl hilfreicher Botenstoffe, deren heilsame Wirkung wir besonders intensiv im Wald erleben. Mit gezielten Übungen lässt sich diese Erfahrung intensivieren und unsere Wahrnehmung der Natur verbessern.

Atemwege-Rhein-Neckar wurde 2020 von der Diplom-Soziologin Eva Wagner und der Diplom-Kartografin Bärbel Rohloff gegründet. Was ihre Atemwanderungen ausmacht und was die Teilnehmer*innen bei den Touren erleben können, davon haben sie Wanderfit im Gespräch berichtet.

Was unterscheidet Ihre Touren vom klassischen Waldbaden?

Wir kombinieren meditative Elemente des Waldbadens mit Atemübungen und Erkenntnissen aus Waldtherapie, -biologie und -medizin. Angeleitetes Atmen und Wissen über unbewusst ablaufenden Vorgänge in Körper und Wald helfen dabei, erlebte Sinneseindrücke nachzuvollziehen und zu verstehen.

Warum ist die Verbindung von Wald und Atmen heilsam?

Das Grün des Waldes beruhigt, die Geräusche im Wald sind gedämpft. Es fehlen die vielen optischen Reize, denen wir in der Stadt ausgesetzt sind. Die Luft ist sauerstoffreicher und enthält wenig Staubpartikel. Ruhiges, tiefes Atmen hilft uns, tief zu entspannen und schärft unsere Sinne: Wir nehmen subtile Geräusche und Gerüche wahr, können Feinheiten ertasten, etwas intuitiv erspüren.

Sie sprechen neben den fünf Körpersinnen auch vom sechsten und siebten Sinn. Was ist darunter zu verstehen?

Wir Menschen haben auch intuitive Sinne. Zum Beispiel reagieren wir auf Mondphasen oder kennen das Gefühl, beobachtet zu werden. Hier reagiert der Körper instinktiv, bevor es zu einer bewussten Wahrnehmung kommt.

Eva Wagner und Bärbel Rohloff von Atemwege-Rhein-Neckar
Eva Wagner und Bärbel Rohloff verbinden die Wirkungen des Waldbadens, gezielte Atemübungen und Waldwissen zu spannenden Atemwanderungen.
© Aranka Schön
Wie sieht der Ablauf der Touren aus?

Wir bieten Touren mit verschiedenen Stationen, an denen wir spannende Waldphänomene mit passenden Übungen kombinieren. So trainieren Sie zum Beispiel gesundes Atmen und Ihren Geruchs- und Geschmackssinn, wenn Sie die Terpene und Phytonzide während der Atemübungen einatmen oder sich die Bitterstoffe frischer Fichtenwipfel auf der Zunge zergehen lassen. Wir erklären die einzelnen Übungen und ihre Wirkweise und tauschen Erfahrungen direkt in der Gruppe aus. Zwischen den einzelnen Stationen gibt es Gehmeditationen im jeweils eigenen Tempo.

Was können die Teilnehmer und Teilnehmerinnen noch erleben?

Sie erforschen zum Beispiel Baumharze, die eigentlich Schädlinge und Pilze fernhalten sollen, und erfahren die Wirkung des intensiven Aromas auf ihren Körper. Beim Berühren oder auch Umarmen von Bäumen spüren sie die individuelle Struktur der Rinde, lernen über den Energiehaushalt und Schutzmechanismen des Waldes und trainieren ihren Hör-, Tast- und Orientierungssinn. Manchmal gehen wir mit unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern zunächst in einen Wald mit jungem und danach mit altem Baumbestand und lassen sie den Unterschied erspüren.

Wie gelingt es Menschen für Atemübungen zu begeistern?

Wir arbeiten mit Atemübungen, bei denen schnell eine Wirkung spürbar ist. Später üben wir zum Beispiel die Nasenatmung zunächst auf einer flachen Strecke und später bei Steigungen, um die Wirkung spürbarer zu machen. So lernen die Teilnehmenden Schritt für Schritt, das Atmen gezielt zu beeinflussen, um zu entspannen, zu regenerieren und Erkrankungen vorzubeugen.

Welche Rolle kommt dem Innehalten des Atems zu?

Bewusste Atempausen verlangsamen und verlängern die Atemzüge und optimieren so den CO2- und Sauerstoffgehalt im Blut. Der Körper kann sich dadurch leichter auf zum Beispiel erhöhte Anstrengungen einstellen und den Sauerstoff besser im Körper verteilen. Wirksam sind solche Übungen besonders bei Asthma- oder Angstzuständen.

Gruppe bei einer Atemwanderung im Wald
Die Teilnehmer lernen Schritt für Schritt, das Atmen gezielt zu beeinflussen, um zu entspannen, zu regenerieren und Erkrankungen vorzubeugen.
© Aranka Schön
Wie können wir durch Atemübungen die Lungenkapazität erhöhen?

Wir nutzten normalerweise nur etwa 20 Prozent des möglichen Atemvolumens. Durch bewusste Nasenatmung, längeres Ausatmen, Reinigen der Atemwege, eine bessere Körperhaltung und Zwerchfelltraining verbessern wir unsere Lungenkapazität. Davon profitiert der ganze Körper, weil Organe und Muskulatur besser mit Sauerstoff versorgt sind.

Wie unterscheidet sich Ihr Angebot von einem therapeutischen Atemtraining?

Wir unterstützen Menschen, präventiv etwas für ihre Gesundheit und zur Stressbewältigung zu tun. Wir erstellen allerdings weder Diagnosen noch bieten wir individuelles Atemtraining an. Manche Teilnehmer*innen kommen nach einer abgeschlossenen Atemtherapie, Reha oder COVID-19-Erkrankung zu uns, um ihr Atmen (weiter) zu trainieren. Andere möchten bestimmte Atemgewohnheiten verändern oder lernen, die Kraft des Atmens gezielter einzusetzen, um zu entspannen und die Herausforderungen Ihres stressintensiven Alltags besser zu meistern.

Wie können genesene Corona-Patienten vom Waldatmen profitieren?

Speziell für diese Menschen haben wir ein nicht-therapeutisches Angebot entwickelt, um Spätfolgen einer COVID-19-Erkrankung wie ein geringeres Lungenvolumen oder einen eingeschränkten Geruchs- und Geschmackssinn zu lindern.

Gibt es bestimmte Personengruppen, für die sich Ihre Touren besonders eignen?

Unser Angebot ist für alle interessant, die gerne Neues ausprobieren oder ein ungewöhnliches Walderlebnis in der Gruppe suchen. Insbesondere gilt das für Menschen mit chronischen Erkrankungen, Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen und Menschen in besonders stressbelasteten Berufen oder Lebenssituationen.

Nutzen Sie das Fitness-Training für die Seele.

Neben dem Wandern gibt es noch viel mehr Entspannungsmöglichkeiten. Und das Beste: Diese Präventionskurse werden bezuschusst von der BKK Pfalz

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