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Wanderreiten: Ein Naturerlebnis der besonderen Art

Gehören Sie zu den knapp vier Millionen Menschen in Deutschland, die reiten? Wenn Sie sich außerdem gerne in der Natur aufhalten, könnte Wanderreiten für Sie interessant sein. Hier handelt es sich nicht um Tagesritte, sondern um mehrtätige Ausflüge mit Übernachtungen für Ross und Reiter, meist in fremdem Gelände.

Unsere Gesprächspartnerin Antje Elzer aus Erpolzheim ist leidenschaftliche Wanderreiterin und außerdem Wanderreit-Ausbilderin beim Pferdesportverband Rheinland-Pfalz, der Kurse für Einsteiger anbietet.

Mehrere Tage mit dem Pferd unterwegs — das klingt ja wirklich nach einem großen Abenteuer...

Antje Elzer: Das ist es auch, besonders für naturverbundene Menschen, die gerne tagelang draußen sind, gerne zelten und den intensiven Kontakt mit dem Pferd und der Umgebung genießen können. Wanderreiter übernachten bei ausgewählten Bauerhöfen oder anderen Stationen, manchmal ergibt es sich aber, dass man schneller unterwegs ist oder früher eine Rast einlegen muss. Das gilt besonders für Anfänger, die noch nicht so gut einschätzen können, wie gut ihre Fitness und die des Pferdes für solche langen Touren ist.

 

 

Ausbildungstermine Wanderreiten 2018/19

Die Theoriewochenenden finden in Altleinigen statt, die Praxiswochenenden im Hunsrück.

27.-28.01.2018 (Theorie) 20.-22.04.2018 (Praxis) 23.06.-01.07.2018 Landeslehrwanderritt

26.-27.01.2019 (Theorie) 26.-28.04.2019 (Praxis) 29.06.-07.07.2019 Landeslehrwanderritt

Anmeldung: www.psvrp.de, Antje Elzer; Telefon: 06353/7693; pferdestall-erpolzheim@t-online.de

Wie lange ist man als Wanderreiter dann normalerweise unterwegs?

Antje Elzer: Das ist ganz unterschiedlich. Manche Wanderreiter sind wenige Tage, eine oder zwei Wochen oder sogar über mehrere Wochen unterwegs. Pro Tag werden bei unseren Wanderreit-Seminaren durchschnittlich 25 bis 30 Kilometer zurückgelegt. Bei Wanderreitertouren sind die Distanzen manchmal auch mehr, wenn man die Strecke kennt. Oder weniger, wenn man sich mit dem Pferd auf unbekanntem Gelände bewegt oder Pferd und Reiter noch nicht so erfahren sind. Schließlich ist Wanderreiten etwas ganz anderes als Distanzreiten. Es geht tatsächlich vor allem um das intensive Erleben der Natur.

Sitzen Wanderreiter dann von morgens bis abends im Sattel?

Antje Elzer: Nein, natürlich nicht. Nach etwa einer Stunde im Sattel empfehlen wir eine Pause von etwa zehn Minuten bis einer Viertelstunde. In dieser Zeit führt man das Pferd und legt danach eine Rast ein oder lässt an einer Wiese das Tier fressen. Dann geht es weiter, immer im Schritt oder Trab, den natürlichen Gangart der Pferde, in der sie sich in freier Natur bewegen.

Kann man mit jedem Pferd auf Tour gehen?

Antje Elzer: Grundsätzlich schon, wenn das Tier sich in fremder Umgebung wohlfühlt. Manche Pferde übernachten zum Beispiel ungern in fremden Ställen oder in der freien Natur, sei es allein oder mit anderen Pferden. Wichtig ist außerdem Erfahrung mit Ausritten im fremden Gelände und mit Straßenverkehr. Und natürlich für Pferd und Reiter: eine gute Vorbereitung! Beide sollten diese Form des Reitens trainiert haben. Deshalb empfehlen wir die Teilnahme an Kursen plus kürzere Ausritte, bevor es zur ersten längeren Tour geht.

Was vermitteln Sie den Kursteilnehmern?

Antje Elzer: Bei unserem zweitägigen Theorie-Wochenende im Winter geben wir Tipps fürs Training, für die Planung von Routen und alles Sonstige für die Vorbereitung einer Tour. Dazu gehört zum Beispiel das Regelwerk für die Nutzung der Wege, das je nach Bundesland und Gegend ganz unterschiedlich sein kann. Nur das Reitwegenetz zu kennen, reicht in der Praxis manchmal nicht aus. Dann sollte man wissen, ob und welche anderen Wege man nutzen darf. Und wer ganz neue Strecken ausprobieren möchte, braucht in manchen Fällen eine Erlaubnis der Waldbesitzer. Umso wichtiger ist ein Erfahrungsaustausch, den wir bei unseren Seminaren automatisch bieten.

Gibt es auch einen praktischen Teil?

Antje Elzer: Im April, also zum Saisonstart, gibt es ein Praxiswochenende für die Teilnehmer der theoretischen Ausbildung im Januar. Das ist deshalb sinnvoll, weil viele Anfänger so ein Gefühl dafür bekommen, wie fit sie für die erste längere Tour sind. Außerdem können sie erleben, ob und wie gut ihr Pferd mit fremden Pferden und in einer fremden Umgebung klarkommt. Weitere praktische Erfahrungen ermöglicht der Wochenritt im Sommer, an dem sich die Seminarteilnehmer erneut treffen können.

Brauchen Wanderreiter eine spezielle Ausrüstung?

Antje Elzer: Kleidung und Schuhwerk sollten reittauglich und für längere Aufenthalte im Freien bei Wind und Wetter geeignet sein. Wanderreiter tragen normalerweise knöchelhohe Wanderschuhe, damit sie das Pferd auf unbefestigten Wegen gut und sicher führen können. Wichtig ist außerdem ein für Pferd und Reiter passender Sattel, an dem sich Gepäck befestigen lässt. Da man manchmal draußen übernachtet, kommt da einiges zusammen. Für die jeweilige Tour brauchen die Wanderreiter Karten im Maßstab 1:25.000. Spezielle Reitwanderkarten gibt es im Handel nicht, aber bei den Stationen sind manchmal selbst fabrizierte Karten von der Umgebung mit guten Strecken erhältlich.

Gibt es für Wanderreiter einen speziellen Verband, bei dem man sich informieren kann?

Antje Elzer: Bei den Landesverbänden der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) erhalten Interessierte die jeweiligen rechtlichen Vorgaben für Wanderreiter. In Rheinland-Pfalz gibt es außerdem Informationen beim Pferdesportverein Rheinland-Pfalz (www.psvrp.de). Natürlich gibt es im Internet eine ganze Reihe von Foren, wobei die Qualität der Beiträge sehr schwankt. Ein gutes, sogar als bestes Lehrbuch ausgezeichnetes Sachbuch ist „Mit Pferden auf Tour: Das Handbuch für Wanderreiter“ von Manfred Weick und Andrea Adrian aus dem Müller Rüschlikon-Verlag.

Danke für das informative Gespräch!

Antje Elzer
Antje Elzer

Antje Elzer reitet seit ihrem 12. Lebensjahr. Mit dem Wanderreiten hat sie vor über 20 Jahren begonnen und betreibt diesen Sport mit viel Leidenschaft. Um naturliebende Reiter mit dem Wanderreiten besser bekannt zu machen, bieten sie und andere Experten jedes Jahr eine theoretische und praktische Ausbildung an.

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